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06.05.2009

Erträumte Termine waren nie zu halten


Eine „Funk-Farce“ nennt die WELT die Geschichte des BOS-Digitalfunks in einem Artikel vom 9. April 2009. Unter der Überschrift „Abhörsicherer Polizeifunk kostet 5,5 Milliarden Euro“ berichtet die Zeitung, dass sich die Inbetriebnahme des BOS-Digitalfunknetzes „erneut verzögern“ und sich die Kosten für den Aufbau wesentlich erhöhen würden.
 
Erst sollte das Netz bis 2006 zur Fußball-WM stehen, dann war von 2008 bzw. 2010 die Rede. Jetzt wird es für 2012 avisiert. Der Behörden Spiegel geht sogar noch weiter. In seiner März-Ausgabe bezieht er sich auf eine Auskunft des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, in der es heißt: „Bei dem flächendeckenden Aufbau des digitalen Funknetzes ist zu beachten, dass es noch bis zu zehn Jahre dauern wird, bis alle Städte / Kommunen auf eine Nutzung des verfügbaren digitalen Netzes umgestellt haben.“ Also 2019 ...

Ein Erfolgsbericht der Berliner Projektgruppe meldete im Dezember 2008, dass man in Berlin (0,25% der Fläche Deutschlands) mehr BOS-Digitalfunk-Standorte in Betrieb genommen habe als in der ganzen Bundesrepublik zusammen. Überall in der Welt, mit Ausnahme einiger weniger Bundesländer, geht man außerdem davon aus, dass es sinnvoll, sicherer, produktiver und viel preiswerter ist, zusätzlich zu einem Digitalfunknetz für Daten und Sprache ein flächendeckendes Paging-Netz zu betreiben.

Die Financial Times Deutschland zitiert am 5. Mai die zuständige Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS): "Wir müssen den Roll-out des Netzes etwas strecken." Als Gründe nannte die Bundesanstalt den Bedarf für zusätzliche Sendemasten sowie Verzögerungen bei der Umsetzung des Projekts.

Fazit: Es ist sehr langwierig und schwierig, die notwendigen Funkstandorte zu akquirieren. Wer sich mit weniger exponierten Standorten zufrieden gibt, riskiert ein schlechteres Netz. Und dass ein GSM-Betreiber mit 10 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr (!) über einen ganz anderen Hebel zur Standortgewinnung verfügt als jemand, der nicht etwa ein "Profit-Center", sondern ein kompliziert finanziertes "Cost-Center" betreiben will, ist ohnehin klar. Auch vor diesem Hintergrund wäre es illusionär zu glauben, mit dem neuen Digitalfunk könne man sogar Alarmierung und Paging betreiben. Das würde nicht nur ein Vielfaches an Standorten, an Zeit und an Kosten bedeuten. Aber selbst wenn man davon ausgeht, dass Paging-Funktionen durch ein wie auch immer verändertes TETRA-Netz mitgeliefert werden, würde es dauern, bis das Netz in der Fläche verfügbar ist. Bis dahin sollte man das tun, was man immer tut: Für alle Fälle vorsorgen und eine zeitweilige (5 / 10 Jahre) Lösung nutzen, wie sie e*Message anbietet.